20140508-stadtrat

Mehr Fragen als Antworten nach dem ersten öffentlichen Auftritt eines Pini-Vertreters vor dem Bernburger Stadtrat

Zur Stadtratssitzung am 08.05.2014 stellte sich mit Michael Fritzsch, Geschäftsführer der Pini Deutschland GmbH, erstmals ein Vertreter des potenziellen Bernburger Schlachthof-Betreibers der kritischen Öffentlichkeit.

In wichtigen Punkten, wie den Fragen zur geplanten Bezahlung der von Herrn Fritzsch als „tätige Personen“ bezeichneten Arbeitskräfte, blieb Pini Antworten jedoch weitestgehend schuldig. Fritzschs Ausführungen widerlegten jedoch einige Aussagen von Professoren der Hochschule Anhalt.

Dies betrifft insbesondere die von den Professoren vorgebrachten Argumente zur Schlachtmenge und der Herkunft der zu verarbeitenden Schweine.

Professoren irrten sich

Während Professor Wolfram Schnäckel bei der Pressekonferenz am 07.04.2014 noch eine tägliche Schlachtkapazität von mehr als 15.000 Tieren ausschloss, kündigte der Pini-Vertreter eine geplante Tages-Schlachtzahl von 26.000 Schweinen an. Auch bei den Herkunftsgebieten der Schlachtschweine lagen die Bernburger Professoren Schnäckel und Wähner daneben. Laut einem Pressebericht im Super Sonntag vom 08.04.2014 wurden sie mit der Aussage zitiert, dass der Schweinebestand im nördlichen Sachsen-Anhalt, in Nord-Sachsen und in Brandenburg ausreichend zur Versorgung des geplanten Bernburger Megaschlachthofes sei. Fritzsch hingegen führte auf Nachfrage aus, dass die Tiere für Bernburg aus ganz Deutschland, Dänemark und Polen herangebracht werden sollen. Dort sollen grenznah auf der polnischen Seite sogar noch zusätzliche Mastkapazitäten aufgebaut werden.

Vor diesem Hintergrund erscheint es schon etwas sarkastisch, dass Herr Fritzsch auf die Frage einer Bürgerin, warum der Schlachtbetrieb nicht in Italien erbaut wird, antwortete, dass es dort zu wenig Schweine geben würde. Fritzsch sagte weiter, dass es in Italien noch etliche kleine Schlachtbetriebe gäbe und es „keinen Sinn gibt“, dort einen leistungsfähigen Schweineschlachthof zu errichten. Das im Februar 2013 an dem Widerstand von Umweltaktivisten und Lokalpolitikern gescheiterte und im Jahr 2011 erstmals bekannt gewordene Projekt von Pietro Pini zur Errichtung eines Megaschlachthofes im italienischen Manerbio, erwähnte Michael Fritzsch vorsichtshalber nicht.

Bezüglich des Klärwerkes legte sich Fritzsch ebenfalls nicht fest: “Es gibt die Möglichkeit die Abwasserreinigungsanlage hier vor Ort am Standort Bernburg zu erweitern, wenn das aus bestimmten Gründen nicht möglich sein wird, hat sich Herr Pini entschieden, auch eine eigene Abwasserreinigungsanlage zu bauen” so Fritzsch. Die Einleitung des Abwassers in die Saale erfolge aber auch dann “wegen den Einleitungsmöglichkeiten”, so Fritzsch auf jeden Fall über das Bernburger Klärwerk.

Schlachthof-Arbeiter in die Plattenviertel

Ein Beispiel, welche sozialen Auswirkungen sich für das gesellschaftliche Miteinander in Bernburg ankündigen, gab Fritzsch, als er in einem Nebensatz andeutete, dass sich die Bernburger Plattenbauviertel zur Unterbringung von Arbeitskräften eignen würden. Trotz eines fehlenden gesamtstädtischen integrierten Entwicklungskonzeptes scheint man also auch in diesem Punkt hinter verschlossenen Türen schon konkret zu planen.